Präambel der europäischen Astrid Lindgren Schulen

Auf ihrer Konferenz im Mai 1999 haben sich die Vertreter der Astrid-Lindgren-Schulen Deutschlands auf diese gemeinsame Einleitung ihrer Schulordnung für alle Astrid-Lindgren-Schulen verständigt:

Leben an der Astrid-Lindgren-Schule

Unsere Schule ist stolz darauf, den Namen „Astrid-Lindgren“ zu tragen. Die Erziehung zu Toleranz, Fairness, Verständnis, Verantwortung und Mut muss auch immer unser Ziel sein. Jeder und jede an unserer Schule soll bereit sein, sozial und tolerant zu handeln und sich für andere einzusetzen.
Konflikte und Meinungsverschiedenheiten treten überall auf. Jede und jeder muss sich bemühen, solche Situationen angemessen und gewaltfrei zu bewältigen. Jeder und jede soll sich mit der Lernumgebung der Astrid-Lindgren-Schule identifizieren und mit ihr verantwortungsvoll und pfleglich umgehen. Im Unterricht herrscht ein vertrauensvoller Umgangston aller Beteiligten. Der Unterricht vermittelt den Schülern und Schülerinnen eine grundlegende Allgemeinbildung. Dabei wird Wert darauf gelegt zu vermitteln, wofür sie das Gelernte anwenden können.

Lehrerinnen, Lehrer und Mitschüler, Mitschülerinnen würdigen und belohnen gute Leistungen. Dazu werden die Anforderungen entsprechend der Begabung differenziert. So erhalten alle Anerkennung, auch Schwächere. Schülerinnen und Schüler werden befähigt und motiviert, selbständig und kooperativ zu arbeiten.

Astrid Lindgren - ein Kurzportrait

"Freie und unautoritäre Erziehung bedeutet nicht, dass man die Kinder sich selbst überlässt, dass sie tun und lassen dürfen, was sie wollen. Es bedeutet nicht, dass sie ohne Normen aufwachsen sollen, was sie selber übrigens gar nicht wünschen. (...) Ganz gewiss sollen Kinder Achtung vor ihren Eltern haben, aber ganz gewiss sollen auch Eltern Achtung vor ihren Kindern haben, und niemals dürfen sie ihre natürliche Überlegenheit missbrauchen. Liebevolle Achtung voreinander, das möchte man allen Eltern und Kindern wünschen." (Astrid Lindgren)

Lebenslauf - Astrid Lindgren

Astrid Lindgren wird am 14.11.1907 als Astrid Ericsson auf Näs bei Vimmerby in Småland (Schweden) geboren. Sie wächst mit ihren drei Geschwistern in der Idylle eines roten Pfarrhofs auf. Ihre Eltern sind Bauern, die ihr das Glück einer behüteten Kindheit voller Liebe bescheren - so beschreibt Astrid Lindgren immer wieder ihre Zeit auf Näs.

Beide Eltern haben ein ausgesprochenes Erzähltalent. Abends am Küchentisch und während des gemeinsamen Arbeitens auf dem Bauernhof gibt der Vater viele Geschichten zum Besten, oder er liest aus Büchern vor. Astrid Lindgren sagt von ihrem Vater, dass er "der beste Erzähler von allen" war. Ihre Mutter singt ihr abends Psalmen vor, auf Fahrten mit der Pferdekutsche werden viele Lieder gesungen. So wächst Astrid Lindgren inmitten von Natur, einer geborgenen Familie und mit Geschichten und Lyrik auf.

Astrid Lindgren und ihre Bücher wären wahrscheinlich ohne Småland nicht vorstellbar, mit seinen weiten, geheimnisvollen Wäldern, seinen unzähligen Seen, Inseln und klaren Bächen, seiner unberührten Natur und ihrer unbeschwerten Kindheit. Alle diese Erinnerungen finden sich in ihren Büchern wieder.

1914 kommt Astrid Lindgren in Vimmerby in die Schule. Eine bleibende Erinnerung ist die an eine Mitschülerin, die wegen eines kleinen Diebstahls vor der ganzen Klasse vom Lehrer geprügelt wird - für sie eine zutiefst unwürdige und unrechte Handlungsweise.

Auch erfährt sie, dass ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus verschiedenen Schichten kommen: Ihre beste Freundin ist die Tochter eines Bankdirektors, sie kommt aus einer einfachen Bauernfamilie. Astrid Lindgren bemerkt dazu: "Das war wohl etwas Feineres, als einen Bauernvater zu haben. Aber mir gefiel mein Vater auch so." Sie erlebt, dass diese Unterschiede beim gemeinsamen Spielen nicht zählen, wichtig sind ihr die Besonderheiten jedes einzelnen Kindes und die erlebten Abenteuer.

Astrid Lindgren entwickelt sich zur Leseratte und verschlingt in kürzester Zeit fast alle Bücher der Schulbibliothek. Sie schreibt Aufsätze, die in einer Vimmerbyer Zeitschrift abgedruckt werden, was ihr den Spitznamen "Selma Lagerlöf von Vimmerby" einträgt. Sie fasst deshalb den "unwiderruflichen Entschluss", niemals Schriftstellerin zu werden.

1923 besteht sie mit guten Noten die Abschlussprüfung der Mittelschule. Sie arbeitet danach zunächst als Volontärin bei der "Wimmerby Tidningen". Ihre Aufgabe besteht darin, Notizen zu sammeln, Korrektur zu lesen und kleinere Reportagen zu verfassen.

Ihre Jugendzeit endet ziemlich abrupt: sie wird mit 18 schwanger. In der damaligen Zeit ist es in einer Kleinstadt wie Vimmerby ein Skandal, eine ledige Mutter zu sein. Weil Astrid Lindgren den Vater ihres Kindes aber nicht heiraten will, zieht sie vom Land in die Anonymität der Großstadt Stockholm. Dort beginnt sie eine Ausbildung zur Sekretärin. Sie lernt die Rechtsanwältin Eva Andén kennen, die unverheiratete Mütter unterstützt und Astrid Lindgren hilft, für die Geburt ihres Kindes nach Kopenhagen zu gehen. Hier gibt es das einzige Krankenhaus Skandinaviens, in der frau ein Kind bekommen kann, ohne dass dies automatisch bei den Behörden gemeldet wird. Hier wird ihr geholfen, eine gute Pflegefamilie für ihren Sohn Lars zu finden. Astrid Lindgren durchlebt eine schwere Zeit, denn obwohl es ihr sehnlichster Wunsch ist, ihren Sohn bei sich zu haben, musst sie ihn aus finanziellen Gründen zuerst in fremde Hände geben. Sie arbeitet weiter an ihrer Ausbildung und spart jede Krone, um ihren Sohn besuchen zu können.

Nach Beendigung ihrer Ausbildung arbeitet Astrid Lindgren zunächst in der Radioabteilung der "Schwedischen Buchhandelszentrale", dann beim "Königlichen Automobilklub". Hier lernt sie ihren späteren Mann, Sture Lindgren, kennen.

1929 wird Lars Pflegemutter herzkrank, Lars muss in einem Heim untergebracht werden. Kurzentschlossen holt Astrid Lindgren ihren Sohn dann zu sich nach Stockholm. Ihre Zimmerwirtin passt auf ihn auf, während sie zur Arbeit geht. Astrid Lindgrens Mutter hält dies für keine gute Lösung, weshalb sie Lars nach Näs holt. Hier wird er von den Großeltern umhegt und umsorgt.

1931 heiraten Astrid und Sture Lindgren, sie holen Lars zu sich, Astrid Lindgren kann von zu Hause aus arbeiten. 1934 wird ihre Tochter Karin geboren.

Von 1937 an arbeitete Astrid Lindgren immer wieder als Sekretärin in der Kriminologie der Stockholmer Universität. Ihr politisches Engagement beginnt, zunächst setzt sie sich für Kinder ein. In den dreißiger Jahren beschäftigt sie sich mit internationaler Politik und durchschaut bald Hitlers Machenschaften. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitet sie kurze Zeit bei der Briefkontrolle des schwedischen Nachrichtendienstes. Sie gewinnt dadurch Einblick in politische Zusammenhänge und lehnt sowohl Hitler und den Nationalsozialismus, als auch Stalin und den Bolschewismus als menschenverachtende Systeme aus tiefster Überzeugung ab.

1941 beginnt die Erfolgsgeschichte von Astrid Lindgren und Pippi Langstrumpf. Ihre Tochter ist krank und bittet sie: "Erzähl mir von Pippi Langstrumpf". Und sie erzählt von diesem Mädchen, das stark ist und ohne Eltern lebt, das Macht hat, ohne sie zu missbrauchen, das sich für die Schwachen einsetzt und die wildesten Abenteuer erlebt.

1944 schreibt sie für ihre Tochter die Geschichten als Geschenk zum 10. Geburtstag auf. Den Durchschlag des Manuskripts schickt sie an einen Verlag "... in der Hoffnung, dass Sie mir nicht die Jugendfürsorge alarmieren". Der Verlag lehnt das Manuskript ab. Im gleichen Jahr schickt sie das Manuskript ihres Buches "Britt-Marie erleichtert ihr Herz" an den Verlag Rabén & Sjörgen. Sie gewinnt damit den zweiten Preis in einem Wettbewerb für Mädchenbücher.

1945 reicht sie im selben Verlag eine überarbeitete Version von Pippi Langstrumpf ein und gewinnt den ersten Preis im Wettbewerb für Kinderbücher. Das Buch bekommt zahlreiche positive Kritiken, wird aber auch zerrissen - "Pippi Langstrumpf sei eine abnorme und krankhafte Gestalt" schreibt z.B. J. Landquist 1946. Der "Hausfrauenverband" erregt sich über die Szene "in der sich die freche, rothaarige Göre" beim Kaffeeklatsch über Hausangestellte lustig mache. Im gleichen Jahr gewinnt sie mit Meisterdetektiv Kalle Blomquist den ersten Preis in der Kategorie Jugendkrimis des Verlags Rabén & Sjörgen und erhält den Literaturpreis der Zeitung "Svenska Dagblatt" für Pippi Langstrumpf - ein Siegeszug durch die Welt beginnt: Pippi Langstrumpf ist heute in 58 Sprachen übersetzt!

In den folgenden Jahren erscheinen u.a. "Kinder aus Bullerbü" (1947), "Mio, mein Mio" (1954), "Rasmus und der Landstreicher" (1958), "Madita" (1960), "Michel von Lönneberga" (1963); "Die Brüder Löwenherz" (1973), "Ronja Räubertochter" (1981).

1952 stirbt ihr Mann nach schwerer Krankheit, 1961 ihre Mutter, 1969 ihr Vater. Dies sind schwere Verluste für Astrid Lindgren, für die ihre Familie einen großen Stellenwert hat. Auch ihr Bruder Gunnar stirbt früh (1974), ihr Sohn Lars 1986. Ihre Tochter Karin, ihre sieben Enkel und Urenkel sind Freude und Trost in ihrem Leben.

Politisch engagiert sie sich 1976 mit dem Steuermärchen "Pomperipossa in Monismanien", das zur Abwahl der sozialdemokratischen Regierung Schwedens nach über 40 Jahren führt. 1978 erhält sie den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Zu diesem Anlass hält sie ihre berühmte Rede "Niemals Gewalt".

Von 1985 an setzt sie sich verstärkt für den Tierschutz ein und schreibt gemeinsam mit Kristina Forslund im Zusammenhang mit der Tierschutzdebatte das Buch "Meine Kuh will auch Spaß haben".

1986 gründet sie die Stiftung "Solkatten" ("Sonnenkatze") für behinderte Kinder. 1987 entwickelt sich ein Briefwechsel mit Michail Gorbatschow zum Thema Frieden.

Am 28. Januar stirbt Astrid Lindgren 94-jährig in Stockholm.

Quellen

von Schönborn, Felizitas. Das Paradies der Kinder; edition q im be.bra verlag, Berlin, 2002.
Ljunggren, Kerstin. Besuch bei Astrid Lindgren; Oetinger, Hamburg, 1994.

Maria Montessori - ein Kurzportrait

"Wie viel Energie, die der Menschheit noch zu Gute kommen kann, steckt doch in einem Kind. Wer immer für die menschliche Gesellschaft einen echten Vorteil erreichen will, der muss beim Kind ansetzen." (Maria Montessori)

Lebenslauf - Maria Montessori

Maria Montessori wird am 31.08.1870 in Chiaravalle bei Ancona (Italien) geboren. Italien ist zu diesem Zeitpunkt von Gegensätzen zwischen Arm und Reich geprägt. Kinder müssen frühzeitig zum Familienerhalt beitragen, ein regelmäßiger Schulbesuch ist Luxus. Maria Montessori wird in eine gutbürgerliche Familie geboren und kann so die Volksschule besuchen. Das bedeutet damals, bewegungslos in der Bank zu sitzen und auswendig gelernte Lektionen wiederzugeben. Nach wenigen Jahren zeigt sie Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften und tritt - für Mädchen damals unüblich - statt in ein Gymnasium in eine technisch-naturwissenschaftliche Schule ein.

Sie schockiert ihre Eltern mit dem Wunsch, Medizin zu studieren. 1890 gibt es in ganz Italien keine Ärztin. Gegen den Willen des Vaters meldet sie sich zum Studium der Medizin an, wird aber abgewiesen. Maria Montessori beginnt Mathematik, Physik und Naturwissenschaften zu studieren und hat nach Ablegen der Prüfungen die Berechtigung für ein Medizinstudium erlangt. Bis heute ist nicht geklärt, wie sie die zuständigen Stellen überzeugen kann. Angeblich bekommt sie eine Sondergenehmigung des Papstes mit strengen Auflagen: So muss sie u.a. nachts und allein sezieren, da es unschicklich ist, dies in Gegenwart von Männern zu tun. Sie beginnt 1892 als erste Frau Italiens mit dem Medizinstudium.

Mit ihrer unbeugsamen Willenskraft absolviert sie allen Schwierigkeiten zum Trotz das Studium. In den letzten beiden Jahren arbeitet sie bereits als Assistentin im Krankenhaus. Sie beginnt, sich mit Kinderheilkunde und Psychiatrie zu beschäftigen. 1896 schließt sie ihr Studium mit großem Erfolg ab; alle Zeitungen berichten von der ersten Ärztin Italiens! Im selben Jahr tritt sie auf dem Berliner Frauenkongress auf und begeistert mit ihren Reden.

Nach Arbeiten an der Universitätsklinik und in der eigenen Praxis meldet sie sich für eine Assistentinnenstelle an der psychiatrischen Klinik, wo sie ein Schlüsselerlebnis mit "schwach-sinnigen" (damals der übliche Begriff) Kindern hat: Diese spielen - in Ermangelung irgend-eines anderen Spielzeuges - intensiv mit ihren Essensbröseln. Sie stößt auf die Werke von J.G. Itard und E. Seguin, die beide davon überzeugt sind, behinderte Kinder besonders anregen zu müssen. Maria Montessori ist - nach eingehender Beschäftigung mit behinderten Kindern - der Überzeugung: "Das Problem dieser Kinder ist in erster Linie ein pädagogisches, nicht ein medizinisches".

1899 wird Maria Montessori Dozentin einer Lehrerbildungsanstalt und Direktorin eines Institutes zur Ausbildung behinderter Kinder. In der dort angeschlossenen Modellschule setzt sie Materialien von Itard und Seguin und später auch ihre eigenen Materialien ein. Ihre Erfolge - die Kinder können nach zwei Jahren bereits die Regelschule besuchen - erregen größte Aufmerksamkeit. Maria Montessori beginnt sich zu fragen, was am "normalen" Schulsystem so falsch sein könne, dass geistig gesunde Kinder derartig schwache Leistungen bringen.

Sie verlässt das Institut und beginnt, Anthropologie und Psychologie zu studieren. Maria Montessori wird schwanger. Der Vater, Dr. Montessano, verlässt sie und da ein uneheliches Kind damals das Ende ihrer Arbeit bedeutet hätte, bringt sie ihren Sohn Mario heimlich zur Welt und lässt ihn bei einer Pflegefamilie auf dem Land aufwachsen.

Die Landflucht führt 1906 zum sozialen Wohnungsbau in Italien. Um die Miete sicher-zustellen, werden diese Wohnungen nur an Familien vermietet, in denen beide Elternteile berufstätig sind. Dies führt zu einer völligen Verwahrlosung der Kinder. Um Sachbeschädi-gungen gering zu halten, tritt die Stadt Rom an Maria Montessori heran, bei der Suche nach einer geeigneten Betreuung behilflich zu sein. Sie sieht eine Möglichkeit, ihre Arbeiten mit gesunden Kindern erproben zu können und nimmt die Stelle selbst an. Am 6. Januar 1907 eröffnet sie ihre "Casa dei Bambini" in San Lorenzo.

Das Kinderhaus wird bald berühmt, Menschen kommen aus aller Welt, um das "Wunder" zu sehen: Verwahrloste, vernachlässigte und verschreckte Kinder beginnen selbstständig mit Material zu arbeiten, und das mit einer Hingabe und Konzentration, die niemand für möglich gehalten hätte. Weitere Kinderhäuser werden eröffnet, nicht nur in Armenvierteln, auch für die Mittel- und Oberschicht Italiens. Woher die Kinder auch immer kommen, sie beginnen nach kurzer Zeit mit dem Material zu arbeiten und den Prozess der "Normalisierung" (Montessori) durchzumachen.

1908 veranlasst das riesige Interesse an ihrer Arbeit Maria Montessori zu ihrem ersten Ausbildungskurs für Lehrerinnen und Interessierte. Ihr Buch "Il metodo della pedagogica scientifica" erscheint im gleichen Jahr. Die Montessori-Methode bekommt offiziellen Charakter. Maria Montessori beschließt im Alter von vierzig Jahren, sich ausschließlich ihren Vorträgen und Ausbildungen zu widmen. Sie gibt ihre Praxis und Dozentur auf. Von da an beginnt sie eine rege Reisetätigkeit, um alle ihre Kurse und Fortbildungen selber zu halten. Ihr Vertrauen in die Kinder, ihren eigenen Weg zu finden, kann sie auf Erwachsene nicht ausdehnen. Sie hat große Angst, nicht richtig verstanden zu werden und erlaubt niemandem, Kurse über die Montessori-Pädagogik zu halten.

1911 gibt es bereits in Italien, der Schweiz, Paris, New York, Boston, aber auch in England und Argentinien Schulen nach der Montessori Methode.

1912 begegnen sich Mario und Maria Montessori "zufällig" in Rom. Mario erkennt in ihr seine Mutter und bleib bei ihr. Er begleitet sie auf ihren Reisen und wird zu ihrem wichtigsten Berater. Es folgen Reisen in die USA, die Übersiedlung nach Barcelona, Vorträge in den Niederlanden, die 1917 in der Gründung der niederländischen Montessori Gesellschaft gipfeln. Zwischen 1919 und 1922 bereist Maria Montessori England und hält Vorträge in Amsterdam, Paris, Mailand, Rom, Neapel und Berlin.

1922 wird von Schülerinnen Maria Montessoris das erste Kinderhaus in Wien gegründet.

1924 wird nach einer Begegnung von Maria Montessori und Mussolini die Montessori-Methode in den italienischen Schulen eingeführt.

1926 bereist Maria Montessori Südamerika.

1929 wird die AMI (Association Montessori Internationale) gegründet, deren Sitz bis 1935 in Berlin ist, danach in Amsterdam. Dort ist er bis heute. Im selben Jahr findet der 1. internationale Montessori-Kongress in Helsingor (Dänemark) statt.

1932 findet der zweite internationale Montessori-Kongress in Nizza statt.

1933 zerschlägt der Nationalsozialismus die deutsche Montessoribewegung. Maria Montessoris Bücher werden verbrannt. Der dritte internationale Montessori-Kongress tagt in Amsterdam.

1934 werden die italienischen Montessori-Schulen nach einem Konflikt mit den Faschisten geschlossen. Maria Montessori emigriert nach Barcelona. Der vierte internationale Montessori-Kongress wird in Rom abgehalten.

1936 veranlasst der Bürgerkrieg in Spanien Maria Montessori Barcelona zu verlassen und nach Amsterdam zu übersiedeln. Der fünfte internationale Montessori-Kongress wird in Oxford, der sechste in Kopenhagen als Friedenskongress organisiert.

1938 werden alle Montessori-Schulen in Wien geschlossen. Der siebte internationale Montessori-Kongress tagt in Edinburgh.

1939 verlässt Maria Montessori Europa und reist nach Indien. 1940 wird sie als Italienerin interniert, die Briten bewirken ihre Freilassung. Sie lebt dort im mehr oder weniger unfreiwilligen Exil in Adyar bis 1946 und verleiht während dieser Zeit der indischen Montessori-Bewegung einen Aufschwung. Sie bildet über 1000 Lehrerinnen aus.

1947 kommt es zur Neugründung der italienischen Montessori Gesellschaft (Opera Montessori) und 40 Jahre nach Gründung der "Casa dei Bambini" entstehen erste Pläne für den Aufbau einer Montessori Universität in Madras.

Obwohl bereits hochbetagt, reist Maria Montessori 1947 nach Indien, 1948 nach Ceylon und 1949 nach Pakistan. 1949 übersiedelt sie zurück nach Europa. Die Niederlande werden ihre neue Heimat. In diesem Jahr findet der achte internationale Montessori-Kongress in San Remo statt. Maria Montessori wird für den Friedensnobelpreis nominiert.

1950 folgen Reisen nach Norwegen und Schweden. Maria Montessori feiert ihren 80. Geburtstag auf einer internationalen Konferenz in Amsterdam. Sie reist in diesem Jahr erstmalig wieder nach Italien.

1951 tagt der neunte internationale Montessori-Kongress in London. Maria Montessori reist nach Tirol und hält in Innsbruck ihren letzten Ausbildungskurs.

Maria Montessori stirbt am 06.05.1952 in Nordwijk aan Zee (Niederlande), mitten in den Vorbereitungen zu einer Afrikareise.

Quellen

Kramer, Rita. Maria Montessori. Leben und Werk einer großen Frau, Fischer-Verlag, Frankfurt, 2004
Schwegman, Marjan. Maria Montessori (1870-1952): Kind ihrer Zeit - Frau von Welt, Beltz-Verlag, Weinheim/Frankfurt, 2002